Barrierearm ohne Umbau- Teil 2: Hauseingang, Flur und Schlafzimmer

Im ersten Teil der Serie lasen Sie Tipps zur Gestaltung des barrierearmen Badezimmers. Doch auch der Rest der Wohnung soll auf Sie angepasst werden. Lesen Sie hier Teil 2 der Serie "Barrierearm ohne Umbau": Tipps für den Hauseingang, den Flur und das Schlafzimmer.

Der Hauseingang

Bild: Roll-a-Ramp, mobile Rampe
Mobile Rampe als Modul-System: Roll-a-Ramp

Beim Thema Hauseingang fällt einem als erstes die Problemzone Treppe ein. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten.

Je nach Stufenanzahl der Treppe ist es vielleicht schon mit einer Rampe getan. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel auch als mobile Variante im Modulsystem. 

Bitte bedenken Sie aber, dass Sie die Rampe nicht einfach über die Stufen legen können! Die Steigung wäre viel zu steil. Man rechnet für eine Rampe für Rollstuhl-Selbstfahrer eine Steigung von 6%, für Rollstühle mit Begleitperson ca. 12-20%. (nach DIN 18040-1) Bitte lassen Sie sich dazu individuell beraten.

Eine weitere Möglichkeit könnte eine Aufschüttung bis zur entsprechenden Höhe sein. Sollten Sie dafür keinen Platz haben, überlegen Sie, ob es vielleicht sinnvoll ist, einen Hintereingang zu nutzen, der ohnehin schon barrierearm ist.

Zum Überwinden der Treppe gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie z.B. einen Treppenlift oder eine kleine Hebebühne.

Informieren Sie sich kostenlos über Treppenlifte z.B. hier:

Wenn Sie die Treppe nutzen können, achten Sie bitte auch hier auf ausreichende Beleuchtung. Dies gilt für den gesamten Hauseingangsbereich.

Bild: kaputte Treppe
Diese wildromantische Treppe ist alles andere als sicher!

Die Treppenstufen sollten gut begehbar sein, wackelnde oder anders beschädigte Stufen sollten unbedingt ausgebessert werden.

Die Treppe sollte beidseitig mit Handläufen ausgestattet sein, so können Sie sich sowohl beim Auf- als auch beim Absteigen mit der Hand festhalten, die Ihnen die meiste Sicherheit gibt.


Bild: Beispiel Anti-Rutschstreifen
Anti-Rutschstreifen "unsichtbar" von Anti-Rutsch-Schutz.de

Um die Trittsicherheit der Stufen zu erhöhen gibt es spezielle Anti-Rutschstreifen in verschiedenen Varianten. Diskrete Streifen (s. Bild) fallen kaum auf, bei einer Fehlsichtigkeit empfiehlt es sich allerdings, farbige Streifen zu verwenden, um die Stufenkante hervorzuheben.

Bild: Eingang mit Stolperfallen
Der hübsche Eingang birgt viele Stolperfallen!

Stolperfallen, z.B. Blumentöpfe oder andere Dekorationsgegenstände, sollten von der Treppe entfernt werden, egal wie hübsch sie dort aussehen. Generell gilt: je enger die Bewegungsfläche ist, desto höher ist die Stolpergefahr.

Im Türbereich könnte es sinnvoll sein, eine Ablagemöglichkeit für die Einkaufstasche zu schaffen, so haben Sie die Hände frei, um die Tür aufschließen zu können.

Eine Fußmatte vor der Tür kann ebenso eine Stolperfalle sein wie der Teppich im Haus. Wenn Sie eine Fußmatte wünschen, wählen sie ein möglichst flächiges Modell und fixieren es verlässlich auf dem Boden.

Verfügen Sie über eine Gegensprechanlage, nutzen Sie diese bitte auch! Sie ersparen sich Laufwege und gehen damit sicher, dass nur Personen das Haus betreten, die auch wirklich Ihr Vertrauen genießen.


Der Flur

Bild: Garderobenbank für mehr Komfort
Eine Garderobenbank ist eine Sitzgelegenheit und bietet Stauraum zugleich. Bild: Modell Gomera von MCA furniture

Für den barrierearmen Flur gilt wie in der ganzen Wohnung: kontrollieren Sie, ob Teppichkanten als Stolperfallen vorhanden sind und sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung!

Wenn Sie Im Flur Ihre Schuhe wechseln, ist eine Sitzgelegenheit angebracht. Außerdem sind Ablageflächen für Schlüssel, Schuhlöffel und Taschen empfehlenswert.

Wenn Sie den Rollator, Rollstuhl oder ein anderes Hilfsmittel im Flur parken möchten, richten Sie am besten einen entsprechenden Stellplatz ein. Je aufgeräumter und organisierter der Flur ist, desto weniger Stolperfallen birgt er.

Eventuell ist es sinnvoll, auf dem Flur Handläufe anzubringen.

 

Das Schlafzimmer

Bild: Pflegebett
Pflegebett Westfalia Care von Burmeier

Ein Pflegebett wird auf jeden Fall von der Krankenkasse finanziert. Heutzutage gibt es bereits Betten, denen man ihre Eigenschaft als Pflegebett nicht mehr ansieht. Die Betten sind elektrisch auf- und abfahrbar, außerdem sollten Sie darauf achten, dass man die Kopf- und Fußteile gesondert voneinander bewegen kann. Weiteres Zubehör, wie zum Beispiel ein Bettgitter sollte man nicht unbedingt nur als Einschränkung betrachten sondern gegebenenfalls auch als Sicherheitsvorkehrung. Wenn Sie mit Ihrem Partner ein Ehebett haben oder aus anderen Gründen auf jeden Fall Ihr eigenes Bett behalten möchten, gibt es auch die Möglichkeit, einen höhenverstellbaren Lattenrost zu bekommen. Dieser hat die gleichen Funktionen wie ein Pflegebett, mit kleinen Einschränkungen: ein Pflegebett hat in der Regel Rollen und kann von einer Pflegeperson in die richtige Position gefahren werden. Außerdem kann bei einem Ehebett mit höhenverstellbarem Lattenrost nur von einer Seite gepflegt werden. Das kann bei einem Schlaganfall aus therapeutischer Sicht unter Umständen Nachteile haben und sollte im Einzelfall abgewogen werden.

Bild: Safe-Sip
Safe-Sip, die Alternative zum Schnabelbecher

Ein passender Nachtschrank mit Rollen (verfügt über eine Hilfsmittelnummer) ist sinnvoll, um nachts besser an Ihre benötigten Dinge zu kommen, z.B. Getränk und Wecker. Wenn Sie im Liegen trinken möchten, geht das prima mit dem Safe-Sip, einem Silikondeckel für Trinkgefäße. Sie können so mit einem Strohhalm trinken ohne zu kleckern.

Bild: Toilettenstuhl von Braun
Toilettenstuhl Classic 11 von Braun mit Hilfsmittelnummer

Geschmackssache kann ein Wecker mit Projektionsfunktion sein, die Uhrzeit wird groß an eine zu wählende Stelle (Wand, Decke…) projiziert, so haben Sie bei Dunkelheit die Zeit gut im Blick.

Sollten Sie nachts aufstehen müssen, ist es sinnvoll, das Licht an zumachen. Vielleicht nutzen Sie eine Nachttischlampe oder das Deckenlicht, es ist schnell passiert, dass die Hausschuhe ein Stück weiter links oder rechts stehen als gewohnt und schon ist man gestolpert. Ein kleines Nachtlicht in der Steckdose hilft zum Orientieren und Finden des Lichtschalters.

Vielleicht möchten Sie anstelle des Gangs zur Toilette einen Toilettenstuhl nutzen. Auch hier gibt es bereits diskrete Modelle mit Hilfsmittelnummer, die tagsüber ohne Eimer wie ein gewöhnliches Sitzmöbel anmuten.

Haben Sie im Schlafzimmer ein Platzproblem, wäre es vielleicht eine Überlegung, den Kleiderschrank mit Schiebetüren zu versehen oder ihn entsprechend auszutauschen.

Wenn Sie eine Gehhilfe nutzen, ist es auch im Schlafzimmer sinnvoll, eine entsprechenden "Parkplatz" einzurichten. Nutzen Sie einen Gehstock oder Unterarmgehstützen, könnten Sie z.B. eine Stockhalterung am Bett anbringen, damit der Stock des Nachts nicht zur Stolperfalle wird.

 

Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: das Badezimmer

Teil 3: Küche, Wohnzimmer und allgemeine Tipps

Oder möchten Sie etwas über Hilfsmittelversorgung erfahren?

Auch mit Handicap kann eine liebevolle Beziehung funktionieren! Lesen Sie hier das Experteninterview!

Hier habe ich Ihnen Checklisten der Tipps zum Thema "Barrierearm ohne Umbau" zusammengestellt. Diese Listen können auch zu Ihrer persönlichen Kostenkalkulation dienen.

Checkliste Hauseingang und Flur.pdf
Adobe Acrobat Dokument 13.3 KB
Checkliste Schlafzimmer.pdf
Adobe Acrobat Dokument 12.2 KB

Da ich Ihre persönliche Situation nicht kenne, kann dieser Artikel nur meine Ideen und Hinweise weitergeben.

Eine spezielle Wohnraumanpassung sollte auf Sie und Ihr Wohnumfeld abgestimmt werden.

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