Experteninterview: Partnerschaft und Behinderung - kann das funktionieren?

Plötzlich ist alles anders.

Ein Schicksalsschlag durch eine schwere Erkrankung verändert das ganze Leben. Und was ist eigentlich mit der Beziehung, wenn ein Partner plötzlich eine Behinderung hat? Rauft man sich zusammen, weil "es ja nun mal so ist", sucht man das Weite oder schafft man es, auch nach einer Erkrankung und mit einer Behinderung eine erfüllte Partnerschaft zu leben? funktioform Silke Scholz sprach mit der psychologischen Psychotherapeutin Edular Steffen und möchte mit diesem Interview Mut machen!

Silke Scholz: Wenn ein Partner erkrankt und pflegebedürftig wird, steht die Welt erstmal Kopf. Vieles muss bedacht werden, die Pflege muss organisiert werden, Therapien müssen geplant werden, die häusliche Umgebung muss angepasst werden. Frau Steffen, bleibt da noch Platz für die Liebe?

Bild: Zusammenhalten trotz Schicksalsschlag
Zusammenhalten ist wichtig für die Liebe!

Edular Steffen: Sicherlich ist die Umstellung und Veränderung durch die Pflegebedürftigkeit des Partners eine sehr große Anforderung und wirkt sich auch auf die Beziehung aus. Ich habe bei Paaren miterlebt, denen gerade durch die Erkrankung bewusst geworden ist, welche Bedeutung der Partner hat. Viele sind glücklich, dass der Partner noch da ist. Kleine Rituale im Alltag wie gemeinsame Mahlzeiten erleichtern es, einen Raum für Nähe und Zuwendung zu schaffen. Zudem können ja Zärtlichkeiten weiterhin ausgetauscht werden. Die Liebe zeigt sich auch gerade in dieser besonders schwierigen Situation, wenn beide zusammen halten.

Silke Scholz: Partner, die bereits eine lange Zeit zusammen sind, sind sich sehr vertraut. Dennoch erfordert die Krankheit oft Situationen, die man doch lieber alleine meistern würde, als Beispiel den Toilettengang. Dies ist aber oft nicht möglich. Wie gehe ich damit um, dass mein Partner mich in solch doch sehr intimen Situationen betreuen muss?

Bild: Pllfegedienst zur Unterstützung in der Partnerschaft
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von aussen anzunehmen, z.B. durch einen Pflegedienst

Edular Steffen: Die Intimitätsgrenze verschiebt sich und stellt eine neue Herausforderung dar. Beide Partner sollten klären, ob solche neuen Hilfen vom Partner angenommen bzw. gegeben werden können. Wenn möglich, durch das direkte Gespräch, ansonsten durch die Körpersignale des Partners. Denkbar ist auch, dass diese neue Anforderung nicht bewältigt werden kann. Auch damit gilt es, offen umzugehen und zusätzliche Hilfen wie den Pflegedienst in Anspruch zu nehmen.

Silke Scholz: Doch auch anders herum stellt sich die Frage: wie gehe ich damit um, meinen Partner, den ich jahrelang als taffen Menschen erlebt habe, plötzlich so hilflos zu sehen?

Bild: gemeinsame Erinnerungen für eine intakte Beziehung
Schwelgen Sie ruhig öfter mal in gemeinsamen Erinnerungen!

Edular Steffen: Das ist sicherlich die größte Herausforderung. Um nicht selbst hilflos zu werden, ist es wichtig, sich seiner bisherigen Ressourcen bewusst zu sein und auch eventuelle Hilfe von außen anzunehmen. Es bedarf sicherlich auch die psychische Stärkung durch gute Kontakte und Gespräche innerhalb der Familie, in Freundschaften und eventuell einer Selbsthilfegruppe.

Silke Scholz: Nicht zuletzt stellt sich ja auch die Frage nach der Sexualität. Eventuell kann ich meinem Partner nicht mehr das geben, was er sich wünscht…

Bild: Hände zum Zeichen der Zärtlichkeit
Ob zärtliche Berührungen oder Intimität - Kommunikation ist wichtig!

Edular Steffen: Auch im Bereich Sexualität ist der Austausch über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nach wie vor sehr wichtig, und sollte auch im Gespräch gesucht werden, sofern möglich oder sonst durch vorsichtiges Ausprobieren erprobt werden. Sexualität ist häufig nicht in der gleichen Form lebbar wie vor der Erkrankung, doch in länger dauernden Beziehungen ist häufig die Berührung im Alltag wie die Hand des anderen zu nehmen oder eine Umarmung wichtiger als das Ausleben der sexuellen Bedürfnisse.

 

Silke Scholz: Einer Bekannten, die einen Schlaganfall erlitten hat, wurde prophezeit: „Ach, dann ist Dein Mann auch bald weg!“ Natürlich ist das Quatsch, denn jeder Mensch ist anders und geht mit einer neuen Situation anders um. Aber die Angst ist trotzdem im Hinterkopf. Was kann ich gegen solche Verlustängste machen?

Bild: Älteres Paar, Beziehung
Krank oder gesund, alt oder jung - die inneren Werte bleiben gleich!

Edular Steffen: Durch eine Erkrankung kann der eigene Wert in Frage gestellt sein, denn der Mensch erlebt sich ja verändert in seiner Leistungsfähigkeit, Mobilität, evtl. auch Kontakt- und Beziehungsfähigkeit. Eine positive Sicht der eigenen Person ist ein wesentlicher Bestandteil der psychischen Gesundheit eines Menschen. Diese positive Sicht ist bei vielen Menschen zunächst nicht mehr so gegeben wie vor der Erkrankung. Dabei ist der Wert des Menschen ja noch der gleiche geblieben wie zuvor. So behält ein Geldschein ja auch den gleichen Wert, auch wenn er zerknittert ist oder einen Riss bekommen hat. Im Prozess der Krankheitsverarbeitung ist es wichtig, auch den eigenen Wert von außen am besten positiv gespiegelt zu bekommen. Wenn die Partnerschaft schon vorher brüchig war oder eigene Ängste schon vorher bestanden, sollte evtl. professionelle Hilfe aufgesucht werden, um sich im Umgang mit den Ängsten Unterstützung zu holen.

 

Silke Scholz: Frau Steffen, Sie haben jahrelang Paare in Selbsthilfegruppen betreut. Welches waren die häufigsten Probleme und welchen Rat gaben Sie?

Bild: Selbsthilfegruppe bei Behinderung
Eine Selbsthilfegruppe gibt Sicherheit

Edular Steffen: Häufig geht es um die Verarbeitung der Erkrankung und die Veränderungen in der Partnerschaft, wo sich die Angehörigen gegenseitig Hilfe geben können durch den Austausch und die damit verbundenen Anregungen. Auch das verbindende Gefühl, ein ähnliches Schicksal erlitten zu haben, schafft schnell Vertrauen in die andere Person und erleichtert es, Probleme anzusprechen, die für Außenstehende oft schwer nachzuvollziehen sind.

Silke Scholz: Wo kann ich mir Rat und Hilfe suchen?

Edular Steffen: Rat und Hilfe gibt es über eine mögliche Selbsthilfegruppe (in Bielefeld z.B. über die BIKIS Bielefelder Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen), Beratungsstellen und niedergelassene psychologische Psychotherapeuten.

Bild: intakte Partnerschaft trotz Behinderung

Liebe Frau Steffen, im Namen meiner Leser danke ich Ihnen ganz herzlich, dass Sie uns den Mut geben, dass auch mit einer Erkrankung eine intakte und glückliche Partnerschaft funktionieren kann!

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